Pressemitteilung zum Internationalen Hurentag: Repression gefährdet Leben

01.06.2012 - 10:37
Die Deutsche AIDS-Hilfe warnt anlässlich des Internationalen Hurentags am 2. Juni vor einem gefährlichen Trend: In Deutschland wie in anderen europäischen Ländern sind Sexarbeiterinnen immer mehr Repressalien ausgesetzt.
Ein etablierter Straßenstrich kann Frauen Sicherheit bieten. Foto: iStockphoto

Die Folge: Prostitution findet vermehrt im Verborgenen statt. Das gefährdet die Gesundheit der Frauen und kann lebensgefährlich für sie sein. Für die HIV-Prävention sind Sexarbeiterinnen abseits bekannter Orte kaum noch erreichbar.

„Wer Sexarbeiterinnen ins Abseits drängt, nimmt in Kauf, dass ihre Gesundheit und ihr Leben bedroht sind. Die Erfolge von über viele Jahre aufgebauten Hilfs- und Präventionseinrichtungen werden zunichte gemacht“, sagt Sylvia Urban, Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe.

Beispiel Dortmund: Bis 2011 arbeiteten Sexarbeiterinnen dort im Rotlichtbezirk Ravensburger Straße in „Verrichtungsboxen“ mit Notrufknopf, direkt nebenan bekamen sie in einem „Beratungscontainer“ Informationen und Kondome. Kurz nach der Auflösung des Straßenstrichs stach ein Freier in einer Privatwohnung mit dem Messer auf eine Sexarbeiterin ein und warf sie aus dem Fenster. Sie überlebte nur knapp. (Der WDR hat darüber berichtet.)

Beispiel Hamburg: Der Senat hat in diesem Jahr den Hansaplatz in St. Georg zum Sperrbezirk gemacht. Fernab des etablierten Ortes haben Sexarbeiterinnen es nun schwer, Kunden zu finden. Unter finanziellem Druck – etwa bei Beschaffungsprostitution – verzichten manche leichter auf Kondome, wenn der Freier es zur Bedingung macht.

Beispiel London: Im Vorfeld der Olympischen Spiele finden dort bereits „Säuberungen“ statt. Gemeinsam mit vielen Organisationen hat die Deutsche AIDS-Hilfe gerade einen offenen Brief an den Londoner Bürgermeister gegen Verhaftungen und Verdrängung unterzeichnet.

Beispiel Griechenland: Dort stellte die Polizei kürzlich HIV-positive Prostituierte mit vollem Namen und Foto online an den Pranger – in der irrigen Annahme, so Freier vor einer HIV-Infektion schützen zu können. (Siehe Kommentar auf aidshilfe.de).

„Wo Politik und Justiz glauben, mit Repression ein gutes Werk zu tun, sind sie damit fundamental im Irrtum“, betont DAH-Vorstandsmitglied Sylvia Urban. „Verdrängung und Beschuldigungen führen nie zu weniger HIV-Infektionen – ganz im Gegenteil. Erfolgreich sind Aufklärung und Unterstützung für die Frauen vor Ort. Freier müssen wissen, dass sie für ihren Schutz selbst verantwortlich sind. Wer Prostituierte als Gefahrenquelle brandmarkt, verletzt damit nicht nur deren Würde und Persönlichkeitsrechte, sondern suggeriert auch, beim Verkehr mit anderen Sexarbeiterinnen könne man auf Schutz verzichten. Das schadet den Frauen wie den Freiern.“

Weitere Informationen im Blog der Deutschen AIDS-Hilfe:

Weg vom Fenster - Wie Repression die Sicherheit von Sexarbeiterinnen gefährdet und Erfolge der HIV-Prävention zunichte macht

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