„Die russische HIV-Prävention für Drogengebraucher ist unhaltbar“

07.10.2011 - 12:47
Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) und akzept e. V. fordern die Bundesregierung auf, sich bei der russischen Regierung für Spritzentausch- und Substitutions-Programme einzusetzen
Russische Polizisten
Russische Drogenpolitik: Staatsgewalt statt Spritzentausch und Substitution (Foto: Martin Kummer/pixelio.de)

Das Eurasische Harm-Reduction-Netzwerk (EHRN) macht im Vorfeld des Internationalen Forums „Millenniums-Entwicklungsziel 6 in Osteuropa und Zentralsien“, das vom 10. bis 12. Oktober in Moskau stattfindet, auf die seiner Meinung nach „unhaltbare“ russische HIV-Prävention für Drogengebraucher aufmerksam. Die DAH, Dachverband von rund 120 Aidshilfe-Organisationen in Deutschland, und der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik haben sich dieser Kampagne mit einem gemeinsamen Brief an die Bundesregierung angeschlossen.

Die im Jahr 2000 von der UN-Vollversammlung beschlossenen Millenniums-Entwicklungsziele sehen unter anderem vor, bis zum Jahr 2015 die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand zu bringen und allmählich umzukehren. Dieses Ziel, so Simona Merkinaite vom EHRN, sei bei der jetzigen russischen Drogenpolitik und HIV-Prävention nicht zu erreichen: In Russland, wo mindestens 60 Prozent der HIV-Infektionen auf gemeinsam benutztes Spritzbesteck zum intravenösen Drogenkonsum zurückzuführen seien, gebe es keinerlei regierungsfinanzierte Spritzentausch-Programme, sei die Substitutionstherapie verboten und würden die Rechte von Drogengebrauchern immer wieder mit Füßen getreten. „Wir wollen das Forum nutzen, um auf die unhaltbare Situation der mehr als 1,5 Millionen Drogenkonsumenten aufmerksam zu machen und Russland dazu zu bewegen, die Gesundheit in den Mittelpunkt der Drogenpolitik zu stellen“, so Merkinaite weiter. Derzeit werde fünfmal so viel Geld für die strafrechtliche Verfolgung von Drogengebrauchern wie für die gesamte HIV-Prävention ausgegeben.

„Die Haltung Russlands in dieser gesundheitspolitisch grenzüberschreitend wichtigen Frage hat Signalwirkung auf die osteuropäischen Länder und deren Maßnahmen“, schreiben der akzept-Vorsitzende Professor Heino Stöver und die DAH-Geschäftsführerin Silke Klumb in ihrem Brief an Bundeskanzlerin Merkel, Außenminister Westerwelle und Gesundheitsminister Bahr. „Wir wären Ihnen dankbar, wenn von deutscher Seite darauf hingewiesen würde, dass das weitere Ignorieren aller vorliegenden Evidenz im europäischen Kontext nicht zu akzeptieren ist.“

(hs)

 

Weitere Informationen

Website des MDG6-Forums (in englischer Sprache)

Informationen zu den Millenniums-Entwicklungszielen (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit)

Informationen der Vereinten Nationen zum Millenniums-Entwicklungsziel 6 (in englischer Sprache)

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111005 DAH und akzept zum MDG6-Forum.pdf181.3 KB
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